Sachsen-Anhalt plant die Wasserstoff-Revolution

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Sachsen-Anhalt plant die Wasserstoff-Revolution

Veröffentlicht von Administrator in Öffentliches Leben · 15 Februar 2020
Tags: BASFChemiedreieckH2Energiewende
  • Als am 25. Mai 1916 der Grundstein für das BASF-Ammoniakwerk in Leuna gelegt wurde, war klar, dass es sich um eine kriegswichtige Ansiedlung handelte, außerhalb der Reichweite damaliger französischer Flieger.
  • Die Vorsicht hatte zwei Gründe, denn Ammoniak ist ein wichtiger Grundstoff – zur Herstellung von Kunstdünger ebenso geeignet wie zur Herstellung von Sprengstoff.
  • Mit dem Ammoniak kam aber auch der Wasserstoff nach Mitteldeutschland, denn um Ammoniak zu erzeugen, braucht man Wasserstoff.
  • Seit mehr als einhundert Jahren wird also in Sachsen-Anhalts Chemiedreieck Wasserstoff im industriellen Maßstab hergestellt.
  • Wirklich neu ist die Nutzung von Wasserstoff also nicht, das räumt auch Dominik Härle ein. "Geschäftsfeld chemische Umsetzungsprozesse" steht auf seiner Visitenkarte, darunter "Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS Halle".
  • Dominik Härle beschäftigt sich seit zehn Jahren mit dem Thema und ist sicherlich kein Wasserstoff-Hippie oder New Age Anhänger.
  • Aber um ein neues Zeitalter geht es ihm schon: "Wasserstoff hat sehr viele Anwendungen.
  • Man kann mit ihm Strom erzeugen, Motoren antreiben, er wird in der Industrie gebraucht, oder man kann synthetische Kraftstoffe daraus herstellen."
  • Und es gibt weitere Vorteile, man muss weder Rohstoffe im Tagebau abbauen noch Wälder abholzen um Wasserstoff zu erzeugen, und mit der richtigen Technologie gibt es auch keine Abfallprobleme.
  • Alles, was man zur Wasserstofferzeugung braucht, sind Wasser und Strom sowie eine relativ einfache Apparatur, Chemiker sprechen von einer Elektrolyse.
  • Mit Hilfe von Strom wird dabei Wasser in seine Bestandteile aufgespalten, nämlich in Wasserstoff und Sauerstoff.
  • Wasserstoff ist eigentlich ein farbloses Gas, aber in der aktuellen Debatte um Klimaschutz und CO2-Reduktion gibt es nun den Wasserstoff in zweierlei Gestalt – einmal als graue und einmal als grüne Variante.
  • Grauer Wasserstoff steht für die bisherige Form der Wasserstoff-Erzeugung, zum Beispiel unter Einsatz von Erdgas, diese Art der Herstellung ist also nicht CO2-neutral, ganz im Gegensatz zum grünen Wasserstoff, der wird nämlich mit regenerativer Energie erzeugt.
  • Und genau um letzteres geht es Dominik Härtel.
  • "Wenn wir die wirtschaftliche Zukunft unserer Region sichern wollen, vor allem die der chemischen Industrie, dann müssen wir über Stoffkreisläufe und Klimaschutz nachdenken, wobei Wasserstoff aus regenerativen Energien eine wichtige Rolle spielt."
  • Der Umbau einer ganzen Region von einer öl- und kohlebasierten Wirtschaft hin zu einer grünen Wasserstoff-Ökonomie ist durchaus ambitioniert.
  • Dabei geht es nicht nur um technische Fragen sondern auch darum wie Wasserstoff transportiert und gespeichert wird.
  • Welchen Einfluss hat die Technologie auf die Stromkosten und welche Anforderungen stellt die Industrie? Sachsen-Anhalt soll zu einer Testregion werden, um Lösungen zu finden.
  • Das Interesse ist groß nachdem die Bunderegierung im Dezember letzten Jahres eine CO2-Steuer auf den Weg gebracht hat.
  • Die Industrie muss nun ihre CO2-Emission zu senken.
  • An den Börsen werden Wasserstoffaktien heiß gehandelt, während die Ölpreise sinken.
  • Eigentlich sollte passend dazu schon eine Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung verabschiedet sein, doch die lässt auf sich warten.
  • Stattdessen hat der Bundesverband der Industrie (BDI) seinerseits Forderungen zur Wasserstoffwirtschaft veröffentlicht.
  • Auf zwanzig Seiten werden dort die notwendigen Maßnahmen erläutert, und schon in der Einführung wird deutlich, dass Wasserstoff längst kein spinnertes Hippie-Thema mehr ist.
  • "Der aktuelle Wasserstoff-Hype hat seine Berechtigung. Denn Wasserstoff bietet eine Chance, die Klimaschutzziele beim gleichzeitigen Erhalt der industriellen Wertschöpfung in Deutschland und der EU zu erreichen", heißt es in dem Forderungskatalog.
  • Und weiter: "Wasserstoff kann die Zukunft der energieintensiven Branchen wie der Stahl- und der Chemieindustrie in Deutschland sichern und eine nachhaltige Transformation im Transport- sowie im Wärmesektor unterstützen.
  • Zugleich eröffnen Wasserstofftechnologien neue Exportmöglichkeiten für die deutsche Industrie."
  • Die Chemiestandorte in Mitteldeutschland sind bereits jetzt mit einer 200 Kilometer langen Wasserstoffleitung verbunden und die erneuerbaren Energien kommen in Sachsen-Anhalt inzwischen auf einen Anteil von 60 Prozent.
  • Das sind sehr gute Voraussetzungen, um die Wasserstoff-Revolution hier zu erproben.
  • Diese Chancen sieht auch Dominik Härle vom Fraunhofer-Institut IMWS in Halle: " Wir werden hier in den nächsten Jahren viele Projekte umsetzen, die beispielhaft sind und sicherlich weitere Investitionen nach sich ziehen werden.
  • Damit steigt die Attraktivität der Region, auch für Neuansiedlungen."
  • So wird zum Beispiel in Bad Lauchstädt der weltweit erste Wasserstoffspeicher unter Tage entstehen.
  • Im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen gibt es eine sogenanntes Wasserstoff-Dorf in dem getestet wird, unter welchen Bedingungen Wasserstoff in Haushalten genutzt werden kann, zum Beispiel um Brennstoffzellen zu betreiben.
  • Im Chemiepark Leuna entsteht eine Anlage zur grünen Wasserstofferzeugung im industriellen Maßstab.
  • Nachdem Sachsen-Anhalt seinerzeit mit der Idee des Solar Valley einen wirtschaftlichen Schiffbruch erlitten hat, könnte es nun mit dem Wasserstoff klappen, denn anders als bei der Solarzellenproduktion kann man die Wasserstoffkreisläufe nicht einfach abbauen, nach Asien transportieren und dort kostengünstiger weiter betreiben.
  • Das ist aber keine Erkenntnis, die sich erst mit Fridays for Future durchsetzte, denn bereits im Jahr 2013 gründete sich HYPOS, ein Verein, der die grüne Wasserstoff-Revolution im Chemiedreieck voran bringen will.
  • Ziel ist es, mit Ökostrom so viel Wasserstoff herzustellen und zu speichern, dass damit nicht nur die Chemieindustrie versorgt wird, sondern auch Teile der Stromerzeugung oder des Verkehrs auf grünen Wasserstoff umgestellt werden können.
  • Damit würde dann wohl das Zeitalter des Wasserstoffs eingeleitet werden.
  • Die Umsetzung ist allerdings nicht allzu einfach, wie der Blick auf die Mitgliederliste zeigt.
  • Neben Chemieparks und Firmen wie Siemens oder Mannesmann sind so ziemlich alle ostdeutschen Universitäten von Rostock bis Freiberg beteiligt, zudem zahlreiche Forschungseinrichtungen.

Quelle: mdr.de



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